Seit Januar 2024 ist das Wärmeplanungsgesetz auf Bundesebene wirksam. Es ist ein strategisches Planungsinstrument auf dem Weg hin zur klimaneutralen Wärmeversorgung der Gemeinden und beinhaltet konkrete Maßnahmen und deren Umsetzungen. Das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV), beauftragt von der Bayernwerk Netz GmbH berät hier die Gemeinde Dießen und hat zunächst den Ist-Zustand und daraus folgende mögliche Ansatzpunkte für die Umsetzung erarbeitet.
Da der Erfolg der Wärmewende maßgeblich durch die Zusammenarbeit von öffentlicher Verwaltung, Unternehmen und der Zivilgesellschaft beeinflusst wird, ist die Beteiligung der Öffentlichkeit einer der Grundpfeiler der empfohlenen Maßnahmen. Als wichtige Akteure werden u.a. Energieversorger, Wohnungsbaugesellschaften, Industrie und Gewerbe, öffentliche Großverbraucher, private Anlagenbetreiber und Vereine genannt. Am 17. Oktober 2025 fand auf Einladung von Bürgermeisterin Sandra Perzul ein sogenanntes 1. Akteurstreffen zur kommunalen Wärmeplanung im Dießener Rathaus statt. Die Klimalobby saß am Tisch.
Was können wir berichten? Zunächst einmal die ernüchternde Feststellung, dass 70 Prozent der in Dießen produzierten Wärme mit Öl und Gas erzeugt wird und mit 19,2 Prozent der Anteil der erneuerbaren Energien in Dießen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Gleichwohl sieht das INEV großes Potenzial in Freiflächen-PV, Windrädern und Seethermie. Des Weiteren zeigt sich, dass wir es einmal mehr mit einem zeitlichen Wettlauf zu tun haben: Je länger die Planung zur Umsetzung eines kommunalen Wärmenetzes dauert, um so weniger potentielle Nutzer wird es geben, da diese sich in der Zwischenzeit längst selbstversorgt haben, z.B. mittels einer Wärmepumpe. Und je mehr potentielle Nutzer wegfallen, um so geringer die Chance auf ein kommunales Wärmenetz, da es sich nicht rechnet. Eine pi-mal-Daumen Zahl konnten wir mitnehmen: ca. 1.000,- Euro kostet ein Meter Leitung. Wirtschaftlich gesehen macht es daher nur Sinn, wenn in einem eng begrenzten Gebiet viele Haushalte an ein Wärmenetz angeschlossen werden können.
Das INEV untersuchte, welche Areale sich in Dießen dafür eignen. Am ehesten darstellbar wären diese in dicht bebauten Gebieten wie der Fischerei und im Bereich zwischen Prinz-Ludwig- und Johannisstraße und dem Kloster. Nächste Schritte des INEV sind sogenannte Zielszenarien und die Erarbeitung von Umsetzungsmaßnahmen. Einige der anwesenden Akteure boten an, sich an Machbarkeitsstudien zu beteiligen.
