Vortrag von Thomas Jorberg: „Transformation statt Krisenmanagement“

„Wir hätten einen ganz bequemen Weg der Transformation gehabt“, sagt Thomas Jorberg zu den nötigen Veränderungen, um ein damals mögliches Klimaziel von maximal 1,5 Grad Erwärmung zu erreichen. Spätestens seit Kyoto 1997 und auch schon viel früher hätten die Erkenntnisse vorgelegen, erläuterte der Vorstandssprecher der GLS-Bank, der auf Einladung der Klimalobby Dießen im Ammerseegymnasium zum Thema „Transformation statt Krisenmanagement“ sprach. Eine flache Kurve der Absenkung des CO2-Ausstoßes sei damals möglich gewesen, zeigte Jorberg in einem Schaubild auf, wie mit Verstreichen der Zeit und weiterem CO2-Ausstoß, die Transformationspfade steiler, das heißt, die Einschnitte viel stärker sein müssen, bis hin zu der ab einem bestimmten Zeitpunkt nötigen Entscheidung, sämtliche CO2-emittierenden Techniken stilllegen zu müssen.

Thomas Jorgberg

Grafisch als Wellen illustriert, lässt Jorberg in seinem Vortrag als kleinste Welle die Pandemie auf uns zurollen, gefolgt von der Klimakatastrophe und der noch größeren Welle des Boden- und Biodiversitäts-Kollaps. „Unsere ehemals stabilen Systeme sind an ihren Grenzen.“

Jorberg führte den Begriff der VUCA-Welt ein, ein Akronym als Beschreibung schwieriger Unternehmensbedingungen: Volatilität/Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität/Mehrdeutigkeit. Mittlerweile spreche man von der BANI-Welt, die für Brüchig/Spröde/Unelastisch, Angst/Besorgnis, Nicht-linear/Mehrdeutig und Incomprehensible stehe. Dem solle gestaltend begegnet werden mit Visionen, Understanding /Verstehen/Verständnis, Klarheit/Kreativität und Agilität/Zukunftsbildern sowie Resilienz/Belastbarkeit, Achtsamkeit/Empathie, Adaptiv/Anpassung und Transparenz.

Von der Politik fordert Thomas Jorberg die Schaffung eines vertrauenswürdigen EU-Siegels für grüne Geldanlagen und kritisierte in diesem Zusammenhang die Entscheidung in der Taxonomie Atom- und Gaskraftwerke als grüne Geldanlagen zu bewerten. Ein wichtiger Punkt ist für den Banker auch, dass die Genehmigung für regenerative Energien beschleunigt werden. Das globale hohe Preisniveau auf den Energiemärkten müsse zur Transformation genutzt und ein sozialer Ausgleich für gestiegene Energiepreise bei Niedrigeinkommen geschaffen werden. In die Bonitäts- und Risikosteuerung bei Finanzinstituten müssten die physischen und transitorischen Risiken integriert werden.

Jorberg sieht eine Akzeptanz bei vielen, dass eine Transformation nötig ist. Auch in der Wirtschaft sieht er die Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderung, beispielsweise die Erkenntnis, dass ein Roboter, die Dinge, die er produziere, nicht brauche. „Das geht sich auch wirtschaftlich nicht auf.“

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um das Beharren auf bestehenden Lebensmodellen, beispielsweise Wohnen im Einfamilienhaus und den Begriff des Verzichts. Zukunftsbilder von der Zukunft aus zu denken und nicht aus der Vergangenheit heraus zu extrapolieren, ist nach Jorberg der nötige Weg. Für ihn lautete die Frage, „wie wollen wir in Zukunft leben.“  Gedanken dazu gebe es, beispielsweise die Sustainable Development Goals, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die die UN formuliert hat.

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